Lupus Rex et Regina

lebendige Geschichte


 

 

Wie die Jungfrau zum Kinde oder
der mühsame Weg ins Mittelalter
Verfasser: Heide Gebauer

 



Es begab sich vor nunmehr vor fast zehn Jahren, dass ich die Bekanntschaft der Gräfin und somit auch die Bekanntschaft einer mir bis dahin völlig fremden Dimension
- des Mittelalters -
machte.
Wenn man hier in der Wiege der Staufer aufgewachsen ist, so ist man zwar etwas vorgeprägt, doch stellte mich der Einstieg in mittelalterliche Gefilde doch vor schier unüberwindliche Probleme.
Nachdem ich ein halbes Jahr lang die Bücherei und das Internet rauf und runter gelesen hatte und (in geliehener Gewandung) den ein oder anderen Markt besucht hatte, stand fest: Eine eigene Gewandung muß her!
Von nun an sollte ich keine Ruhe mehr finden.
Natürlich wußte ich längst was das große (A) war und war fest entschlossen diesem zu folgen. 
An dieser Stelle möchte ich alle, die ich damals genervt habe, um Nachsicht bitten.
Ich durchforstete meine Bestände, die mir einiges an brauchbaren Leintüchern bescherten und kein Flohmarkt war mehr vor mir sicher (was bis heute so geblieben ist). Fortan bestimmte das (A) mein Leben - ich habe mir sagen lassen, dass mein Blick so furchterregend war, dass meine Freunde ihre Gardinen in Sicherheit brachten, sobald ich meinen Besuch ankündigte.

Nachdem ich also Leinen hatte und Faden (der später Farbe annimmt), mir von bekannten Seiten hier im Internet einen brauchbaren Schnitt zugelegt hatte und meine tiefe innere Abneigung gegen Handarbeiten überwunden hatte, konnte es losgehen. Selbstverständlich wollte ich meine erste COTTE von Hand nähen - das "A" - ihr versteht.

So nahm ich Mass und schnitt die Einzelteile zu. Soweit kein Problem.

Als es dann an das Nähen ging, fiel mir ein, dass ich ja überhaupt nicht wußte, was mittelalterliche Stiche sind - also nochmals recherchieren - ich fand sie und los gings. Alles klappte bis auf die Kleinigkeit, dass ich nach dem Zusammennähen der beiden ersten Teile gemerkt habe, dass ich neben Haushalt, 5 Kindern und Job zeitlich in Bedrängnis kam, zumal das nächste MA-Event immer näher rückte.
Da hatte ich dann meine ersten düsteren Gedanken- irgendwo habe ich doch noch eine alte Nähmaschine.
Bestürzt über soviel Verrat am großen (A) rief ich die Gräfin an, von der ich wußte, dass sie alles (fast) was kaputt ging wieder hinkriegt und nötigte sie meine Maschine zu reparieren.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass dies letzten Endes dann wiederum die Fertigstellung meines Gewandes verzögerte, weil allzuviel Maschinenöl
(O-Ton Gräfin: "Middem Öl nich spaasaam sein)

leider -authentisch hin oder her - auf Leinen erst wieder mühevoll entfernt werden mußte.
Nachdem auch diese Widrigkeiten überwunden waren, ging alles ganz schnell. Das Gewand war an einem Stück und es paßte sogar - ich war stolz und ganz fasziniert – und - blauäugig.

Der nächste große Schritt war das Färben - natürlich sollten es Pflanzenfarbstoffe sein -
was ich beim genaueren Studieren von Arbeitszeit und Kosten dann schnell wieder verwarf.

Ich kaufte mir also grüne Farbe eines bekannten Herstellers und saß während des gesamten Färbevorgangs vor meiner Waschmaschine wie meine Kinder unterm Weihnachtsbaum (was eben jene auch so bemerkten).
Endlich war meine Cotte fertig und ich mußte sie jedem präsentieren. 

Eine Woche lang war ich der Überzeugung, dass alles bestens wäre, bis mich die MA-Realität einholte.
Unerbittlich und brutal wurden meine Illusionen mit einem Schlag zunichte gemacht durch der Gräfin Kommentar
– IHHHH - DAS IST JA QUIETSCHGRÜN!!!!!!! -
In der Tat - beim kritischem Hinsehen - hatte ich wohl Maigrün erwischt - oder so etwas wie -grüner Apfel. Völlig gefrustet, aber noch nicht geschlagen, holte ich mir dunkelgrün.

An dieser Stelle der Tipp:
Erst Maigrün und dann Dunkelgrün gefärbt, ergibt ein wunderschönes Grün ohne Blaustich.
Ich färbte also noch einmal und alle waren zufrieden - nein sogar begeistert. Ich zog meine Cotte an und das war der Moment, wo ich nun wirklich beinahe dem Mittelalter Lebewohl gesagt hätte - die Cotte -meine Cotte war zu kurz. Ich hätte das Leinen vorher waschen sollen. Zu spät - was tun?
So entstand meine erste Tunika. Ende gut -alles gut. Ich trage sie mit Stolz und wohlwissend, dass das (A) mein Begleiter ist aber nicht mehr mein Diktator.

Zum Schluß möchte ich noch anmerken, dass sich meine Freunde und Bekannten damals und manchmal auch noch heute überlegen, ob sie nicht eine "Selbsthilfegruppe für Angehörige von MA-Infizierten" gründen sollten, also hier mein Tipp an alle Neueinsteiger - Habt Nachsicht mit Euren Nächsten - sie sind unwissend und sie können nichts dafür.
- GRINS -
Mögen der Mond und die Sterne Euren Weg erhellen, auf daß Ihr viel brauchbares Leinen findet.
Constanze

 

 

 

 

 

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