Lupus Rex et Regina

lebendige Geschichte


  Wir werden Dich nie vergessen  
   
  Paul Kaisser
* 21.09.1936
+ 02.07.2008
Burgverwalter des Wäscherschlosses
 


Nachruf

In Erinnerung an einen besonderen Menschen

Wer kennt sie nicht, jene Momente, in denen die Welt für einen Augenblick innezuhalten scheint, und wenn sie sich dann wieder in Bewegung setzt, dann ist etwas Wertvolles fortgegangen.
Ein solcher Moment war jener, als wir vom Tode Paul Kaissers erfuhren. Tief betroffen und traurig müssen wir uns an die Vorstellung gewöhnen, dass er uns nicht mehr am Portal seiner Burg, dem Wäscherschloss, begrüßen wird, dass er nicht mehr bei Konzertveranstaltungen an der Kasse sitzen und Karten verkaufen wird, dass er nicht mehr mit der mitreißenden Begeisterung, die von seiner lebenslangen Liebe zur Mittelaltermusik zeugte, Künstler ankündigen und nach den Konzerten noch stundenlang mit Musikern und Fans zusammensitzen oder morgens im Rittersaal Wecken und Kaffee herumreichen wird.
Mit Paul Kaisser verliert die Mittelalterszene einen ihrer ganz Großen. Er hat im Laufe der Jahre und Jahrzehnte das Wäscherschloss zu einem ganz besonderen Veranstaltungsort für Mittelalterkonzerte gemacht – Konzerte, die nicht nur von der Kulisse der wunderschönen Burg lebten, sondern eben auch und gerade von der Atmosphäre, die Paul und später gemeinsam mit ihm sein Sohn Thomas dem „Schlössle“ einhauchten, und die dadurch etwas Einzigartiges wurden. Viele bekannte Bands spielten hier schon zu Beginn ihrer Karriere, und viele von ihnen haben Paul und dem Schloss im Laufe der Jahre die Treue gehalten und kehrten immer wieder gern an diesen ganz speziellen Ort zurück.
Wärme und Herzlichkeit, Großzügigkeit und ehrliche Freude am Umgang mit den Menschen, die das Wäscherschloss besuchten, waren Pauls herausragende Merkmale. Er hieß jeden Besucher als Freund willkommen und machte es ihm leicht, sich heimisch zu fühlen. Und er lebte sein Anliegen: den Erhalt und Ausbau des Wäscherschlosses als Staufer-Gedenkstätte und als Heimat für die mittelalterlichen Musikgruppen.
Jeder, der Paul persönlich kannte, wird eine ganz besondere Erinnerung an ihn haben. Mir selbst unvergessen wird jene Nacht im April 2005 bleiben, als ich einige Tage zu Recherchezwecken auf dem Wäscherschloss verbringen durfte. Es war eine für April ungewöhnlich warme Nacht, die laue Frühlingsluft wehte ungehindert durch das geöffnete bleiverglaste Fenster in das liebenswert unordentliche Büro im Obergeschoss des Schlosses. Und bei einer Flasche gutem Rosé erzählte Paul – erzählte bis vier Uhr in der Frühe von seinem großen Lieblingsthema, den Staufern, entrollte ihre verworrene Familiengeschichte so mühelos und anschaulich, als handele es sich um seine eigene, und für einige geradezu magische Momente war es, als wären die, von denen er da erzählte, zum Greifen nah in den Mauern der alten Burg: Barbarossa, Friedrich II. „Stupor Mundi“, Heinrich … es war die wunderbarste Geschichtsstunde, die man sich nur vorstellen konnte, mit dem großartigsten aller Lehrer.
Es ist schwer vorstellbar, dass Paul fort sein soll. Doch – vieles von ihm bleibt: im Schloss, das er so entscheidend geprägt hat; in den Erinnerungen der vielen Menschen, die ihn kannten und gern hatten; und nicht zuletzt in der Musik, die dank seines Engagements innerhalb der Mauern des Wäscherschlosses erklang.
Und weiter erklingen wird, denn wir hoffen, nein, wir sind sicher, dass Pauls Sohn Thomas das Werk, das bereits mit seinen Großeltern begann, fortsetzen wird, so wie er es in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinem Vater gestaltet hat.
Thomas, wir wünschen dir viel Kraft und Halt von denen, die dir nahe sind.
Und Paul – grüße uns die Staufer … und erzähl‘ uns irgendwann mehr von ihnen!
 
Petra Lindner für das Team von Jarwinbenadar.de

 



Copyright: Nachruf: von Petra Lindner für das Team von Jarwinbenadar.de / Mit freundlicher Genehmigung von Petra Lindner
Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Herb Jung / Szenefotograf


Die Geschichte des Wäscherschlosses

 

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