Lupus Rex et Regina

lebendige Geschichte


Burgbelebung Tannenburg, gerne wieder!


Leben und arbeiten in Gewandung, ein Wochenende lang
Verfasser: Birgitt Dörfer




Die Tannenburg, bei Nentershausen, liegt im nördlichen Waldhessen in der Nähe von Sontra und Bebra. Erfurt ist nicht weit.
Bei Mittelalterfreunden ist die Burg eher bekannt für das jährlich im Herbst stattfindende Dannenburg-Convent, ein Lager, das den Anspruch erhebt für Fortgeschrittene zu sein.
Anfang Oktober ist es dann meist etwas feucht und kalt. Dort testen die Lagerteilnehmer dann eher ihre Kälte u. Schlammresistenz... was ihrer Laune keinen Abbruch tut.
Ganz Schlaue mieten sich dann in der benachbarten Feriensiedlung ein und besetzen ein Häuslein, welches bis zu sieben Personen Platz bietet. Diese Möglichkeit haben wir 2002 wahrgenommen. Aktuell war zu hören, daß der Feriensiedlung eine Insolvenz droht. Abwarten.


Die Tannenburg wird von einer Betriebsgesellschaft GbR names Allerley liebevoll geführt.
Die Burg ist von März bis Oktober geöffnet.



Im Jahre 2008 haben Constanze und ich zum ersten Mal an der Burgbelebung im Mai teilgenommen. 2009 waren wir wieder dabei.
Es wurden diverse Seminare angeboten: Bogenbau, Schmieden, Naturfärben, Kräuterwanderung. 2009 kam Schnitzen und Tanzen hinzu.

Es ist nicht schwer sich zum Seminar anzumelden. Die Burgverwaltung nimmt neumodische Anmeldungen vial Mail an und lediglich die Übernachtungs- und Verpflegungskosten von ca. 45 Euro müssen rechtzeitig überwiesen werden. Seminargebühren werden vor Ort bezahlt. Hier sind es dann meist Preise zwischen 70 und 90 Euro. Materialkosten nicht inbegriffen.

Wir kamen Freitags an.
Hier lohnt es sich rechtzeitig anzukommen, denn die guten Plätze im Wohnturm sind meist schnell belegt.
Im ersten Stock ist Platz für Familien und der 3. Stock bietet Platz für Schnarcher, Ungebundene und Holzschuhträger.
Im ersten Stock gibt es Fenster, im dritten Stock nicht. Der dritte Stock sieht aus wie ein Rohbau.
Bretterverschläge an den Fensteröffungen, wenn diese zu sind, was meistens der Fall ist, erleuchtet eine einzige Stromsparlampe ca. 120 qm Bodenfläche. 

Diese drei Stockwerke müßen mit eigenem Gepäck und eurem Schlafplatz (es gibt dort nichts..keine Möbel, keine Betten), unter dem Arm zunächst einmal erstiegen werden. Mit Holzschuhen ist es dann später schon etwas gefährlich. Auch rate ich Euch euren Rock zu raffen. Die Treppen scheinen endlos.



Gegen 19:00 Uhr gibt es dann Abendessen, gemütliches Beisammensein im Hof oder in der Schenke. Man lernt sich kennen und wir hatten das Vergnügen bei Polle, der Färberei-Seminarleiterin zu Gast zu sein. Eine Offenbacher Schnauze gepaart mit großem Herz, Wortwitz und Sachverstand.

Morgens um 9:00 Uhr nach einem ausgiebigen Frühstück beginnen die Seminare.

Was noch zum Essen zu bemerken ist. Es gibt Portionen für Hobbits, ausreichend und auch an die vielen Zwischenmahlzeiten ist gedacht.
In der kleinen Kemenate (die hat Fußbodenheizung und ist sowas von heimelig) gibt es ein großes Frühstücksbuffet mit allem was das Herz begehrt.
Kaffee bis zum abwinken, gute Wurst, lecker Käse, große Eier...und und und und. Note sehr gut.

Nun, dann beginnt Leben und Arbeiten im Wohnturm, im Burghof oder um die Burg herum.

Die Bogenbauer sitzen auf ihren Böcken, das Ziehmesser fliegt nur so, die Späne häufen sich.

Die Schnitzer schnitzen aus Tannenbaumspitzen Latte-Machiatto-Quirls für`s Lager und auch das eine oder andere Löffelchen (mit oder ohne Loch im Boden...wie`s beliebt).

Im Hof riecht`s nach Hölle, der Schwefelgeruch kommt von den Feuern der unzähligen Feldessen die dort stehen.  Ping, ping, ping.... die Schläge der Schmiedehämmer werden Dich das ganze Wochenende begleiten.



Meister Burkhard ist der Herr über die Schmiedegesellen. Seine Anleitung läßt nichts zu wünschen übrig und die Tatsache, daß er es auch mit weiblichen Schülern versteht, sorgte dafür, daß wir nun einiges mehr an schmiedeeisernem Hausrat besitzen. Die Herren Schüler bemühen sich eifrig das glühende Eisen nach ihrem Willen zu formen und schnell stellt sich heraus wo die körperlichen Grenzen sind, denn laßt es euch gesagt sein......Schmieden ist anstrengend.

Die Gruppe von der Kräuterwanderung kommt munter plappernd und mit roten Bäckchen zurück mit Blüten im Haar und Grünzeugs in den Händen.


Oh, ein paar Musiker sind ja gekommen.
Menschen reihen sich in der Maiensonne auf zum Tanzen und der Tanzmeister ist bald vor lauter fliegenden bunten Fetzen nicht mehr zu sehen.


Ja was ist denn da unten an der Burgmauer los?
Die Färberinnen unter Polle der Meisterin sind emsig damit beschäftigt in ihren großen Hexenkesseln zu rühren, in denen sich Reseda, Krapp, Rainfarn oder Indigo, Brennessel, Walnuss und Cochenille befinden.

Auf den Leinen und Stangen hängen bunte Stoffe.
Die Feuer brennen, die Augen manchmal auch.
Ein Schauspiel für die Augen ist es, wenn die Stoffe grün aus dem Kessel kommen und dann erst zu zweit unter großer Anstrengung, wie beim Bettausschütteln, blau geschlagen werden. Der eingebrachte Sauerstoff führt zu dieser Reaktion.
Wunderbares Bild!!!


Lachend und plappernd necken die Färberinnen Dich. Auch der Hund des Burgvogtes hat auf wundersame Weise eine blaue Schwanzspitze bekommen.

Der erste Tag endet mit einem schönen Frühlingsfest im Festsaal.
Frisch gewaschen, duftend und fein gewandet läßt man sich vom Burgkoch mit einem liebevoll zubereiteten 5- Gänge Menü verwöhnen.
Die Kellermeisterin Petra, die Vorlaute, sorgt dafür, daß die fleissigen Küchenmägde uns wohl versorgen.
Man läßt mit seinen neu gefundenen Genossen bei einem Humpen dunklem Bier den Tag Revue passieren, tanzt ausgelassen zu den Klängen der Musici und wankt dann glücklich in die Heia. ;-)

Am nächsten Tage beginnt es wieder um 9:00 Uhr mit den Seminaren und man bekommt ein wehes Herz.
Viel zu früh ging das Wochenende vorbei.
So langsam denkt man daran wie das ganze Gepäck wohl wieder den dritten Stock herunterkommt und eigentlich möchte man die neugefundenen Freunde nicht so schnell verlassen.

Gegen Nachmittag wird alles aufgeräumt, alle helfen mit, man verspricht sich beim Abschied

"Ich komme wieder Tannenburg".




 

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